Eine Woche zum Vergessen

Ostern, immer wieder Ostern. Wenn ich mir sicher sein will, dass bei einem Angeltrip so viel wie möglich nicht meinen Erwartungen entspricht, muss ich Ostern zum Angeln fahren. Letztes Jahr das elendige Mistwetter mit Schnee, Eis und Sturm. Dieses Jahr habe ich mich für den Ausflug nach Tschechien entschieden. Der zweit-frühest mögliche Zeitpunkt für Ostern ist das vorletzte Wochenende in März, ein Indiz für kalte Wassertemperaturen.

Am Karfreitag morgens um 06:30 klingelt der Wecker. Ich habe gute 380 Kilometer vor, mitten in die Tschechische Provinz wo MAD Teamkollege Philipp Kretzschmar bereits auf mich wartet. Der traf bereits um 07:30 Uhr ein und hat sich vor Ort ein Bild vom See gemacht. Ich bin gegen 11:00 Uhr erst angekommen, weil ich kurz nach Prag 15 Kilometer Stau hatte. Wir wussten, dass alle Plätze am See die uns interessiert hatten, am Osterwochenende gebucht waren, so blieb uns nur eine Kompromisslösung am Übergang zur Flachwasserzone. Da wir für Sonntag 15 Grad und Sonnenschein vorhergesagt hatten, haben wir erwartet die Fische dort auf dem Weg ins das sich schneller erwärmende Flachwasser abgreifen zu können. So der Plan. Bereits während des Aufbau zogen über uns immer dunklere Wolken auf und eiskalter Wind mit starken Böen machte den Gesamteindruck nicht besser. Eigentlich alles wie immer an Ostern, nur der Schnee hat gefehlt.

Zumindest hatten wir Spaß!

Unsere Morpheus-Brollies standen wie immer schnell und das Drumherum war auch in Kürze aufgebaut. Bereits etwas entnervt sollte ein Havanna Cola die Stimmung heben, was allerdings nur begrenzt funktioniert hat. Ich habe meine Ruten vorbereitet, meine geliebten Waterworld Baits Hippos und ganz neu im Programm der „Mega Cin“, sollten es in der ersten Nacht richten. Dazu noch zwei kleine GLM aus den Restbeständen vom letzten Jahr. Beim Auslegen der Ruten war bereits enorm starker und böiger Wind aufgezogen der das Fortkommen mit den gestellten Leihbooten nicht besonders erleichtert hat, jetzt regnete es auch noch Bindfäden. Von der Seite. Völlig durchweicht und entnervt habe ich dennoch versucht die Ruten möglichst präzise zu legen, was jedoch fast nicht möglich war. Das Anlegen am Angelplatz war auch nicht viel besser. Glücklich wie beinahe noch nie war ich im Zelt und konnte zwei klatschnasse Pullis ausziehen und mich in den Schlafsack verkriechen. Die letzte Nacht vor der Sommerzeit-Umstellung, ich war um 20:00 bereits eingeschlafen und mein MAD 4 Season Schlafsack hat dafür gesorgt, dass ich endlich wieder warm geworden bin. Ich muss echt sagen, der Schlafsack ist das Non-Plus Ultra für mich persönlich – den möchte ich nie wieder missen.

Die Nacht verlief ohne Kontakt und beim ersten Kaffee des Tages überlegten Philipp und ich, was wir machen sollten. Wir bestiegen das Boot um uns die Flachwasserzone im See genauer anzuschauen. Bereits beim Rudern konnten wir mehrere Karpfen sehen und die Entscheidung zu moven war schnell getroffen. Also alles abbauen, verladen, rudern, ausladen, aufbauen und neue Plätze suchen. Wie sich das alles hinzieht… um kurz nach sechs lagen alle Ruten auf den neuen Plätzen, die Motivation war auch zurück und sogar die Sonne schien zur Abwechslung. Vor uns lag die kälteste Nacht, es ging bis auf -4 Grad runter. Bereits um 20:00 Uhr war es zapfig kalt, so dass ich keinen Fuß mehr vors Zelt setzen wollte, außer für einen Vollrun. Als ich am nächsten Morgen die Augen geöffnet habe, war es eisig. Glücklicherweise schien die Sonne und der wärmste Tag der Woche mit 17 Grad und Sonne war angebrochen. Alle sechs Ruten haben keinen Kontakt vermelden können, und Philipp war bereits auf dem See. Das Wasser war klar geworden und keine Fische mehr in der flachen Bucht. Ratlosigkeit machte sich breit. Philipp der ein echter Spezialist bei kalten Wassertemperaturen ist, schlug vor noch Mal zu moven, dieses Mal gingen wir den tiefsten Teil des Sees an, direkt am Damm.

Moven, moven, moven

Wenigstens die Sonne schien. Der neue Platz war schnell bezogen und vor 17:00 Uhr alle Ruten im Wasser und es war das erste und einzige Mal wirkliches T-Shirt Wetter. Jede Rute bekam als Beifutter mehrere Schaufeln gekochten Hanf und den guten alten Dosenmais. Die Sonne und eine Stunde mehr Tageslicht waren Balsam auf der Seele, und während die Sonne unterging rundeten wir den Tag mit einem Film ab. Leider brachte auch die nächste Nacht keine Fische, aber einen Wetterwechsel mit sich. Ab jetzt waren wieder Wind und Regen angesagt.

Wie zu erwarten brachte auch der Montag keine Besserung, selbst das Auslegen der Ruten wurde zusehends unmöglich, weil der Wind immer stärker wurde. Wir haben beinahe alles an Rigs, Montagen und Ködern durchprobiert, doch wie auch bei allen anderen Anglern am See blieben die Bissanzeiger stumm. Dienstag früh sollte Jakub mit Kamerateam am See eintreffen, mir wurde jedoch schon im Laufe der Nacht bewusst, dass sich die Dreharbeiten mehr als schwierig gestalten sollten. Die Windböen waren so stark, dass die Mikrophone beinahe nur Störgeräusche aufzeichnen können, die Kameradrohne konnte nicht gestartet werden, weil diese sonst wohl irgendwo im Cervene Janovice in einem Haus eingeschlagen hätte 😉

Zu allem Überfluss riss eine Windböe auch den Schirm von Philipp weg – in solchen Situationen ist es schon echt praktisch wenn man als Team am Wasser agiert. Nachdem der Entschluss gefasst war, dass wir nicht drehen werden, musste ich mir die Frage stellen, inwiefern es Sinn macht weiter an dem See zu sitzen. Statt am Donnerstag abzubauen und auf eine Hausmesse in Weiden zu fahren, tat ich es Philipp gleich, der schon entschlossen hatte nach Hause zu fahren. Nach fünf Nächten ohne Fisch und mit Sturm war es sinnvoller nach Hause zu fahren. Eine richtige Entscheidung.

Frisch geduscht und ausgeschlafen habe ich die Entscheidung gefasst bereits am Mittwoch wieder an mein Hausgewässer zu fahren. Das hatte schon etwas von Wunden lecken, aber ich wollte unbedingt in meinem Urlaub die ersten Fische fangen. Mit dem Futterboot und einigen Waterworld Hippo Pellets als Beifutter sollte es der Hippo in 15mm gepaart mit einem Red Garlic Dumble richten. Die Ruten habe ich an einem der markantesten Punkte im See in ca. 4 Meter Wassertiefe platziert. Bereits nach zehn Minuten meldete sich mein Receiver und ich hatte den ersten Vollrun des Jahres 2016. Wie ich es vermisst hatte! Leider ist der Fisch ausgestiegen, aber im strömenden Regen war das Grinsen zurück. Eine halbe Stunde später konnte ich den ersten Spiegler des Jahres über den Kescher führen und die miesen Erfahrungen der Tage vorher wichen langsam der Zufriedenheit. Am Abend kam Marco dazu und ich konnte noch weitere Fische landen, darunter auch Brachsen bis über drei Kilo.

Waterworld Baits Hippo Pellets

Am nächsten Morgen platzierte ich die Ruten erneut nah an der Insel. Noch während ich das Futterboot hinter das Auto gestellt habe, sang der Receiver sein Lied! Bereits beim Aufnehmen der Rute war klar, dass da der erste bessere Karpfen des Jahres hing. Knapp 20 Minuten später konnte ich den 12 Kilo schweren Spiegler in die Kamera halten. Balsam auf die geschundene Seele. Aber warum eigentlich geschunden? Ich bin einfach nur Mal wieder an Ostern zum Angeln gefahren. Vielleicht sollte ich das künftig einfach lassen. Oder auch nicht.

Der erste zwölf Kilo des Jahres

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