Zu Gast bei Freunden

Ich klau den Titel von Marco über seinen Besuch im letzten Sommer jetzt einfach Mal für meinen Blogbeitrag, denn der trifft’s einfach am Besten.

Die letzten Tage habe ich mit Freunden am Wasser verbracht, die ich seit Anfang der 90er aus dem Verein kenne – wir haben’s aber noch nie zusammen ans Wasser geschafft; bis jetzt. Von Mittwoch bis Sonntag haben wir uns die Zeit genommen und gemeinsam am Baggersee verbracht. Endlich Mal eine gute Wettervorhersage für einen meiner Angelausflüge, das hat schon Seltenheitswert. Marc und ich sind ziemlich zeitgleich angekommen und konnten in Ruhe aufbauen. Am See war quasi Königsfischen, weil viele Angler das lange Wochenende mitgenommen haben. Die Anlage rund um den See ist top gepflegt und wir konnten einen echt hübschen Platz befischen. Da wir wenig Struktur auf der uns zur Verfügung stehenden Gewässerfläche hatten, haben wir die Marker an der gegenüberliegenden Uferkante und je einen im Freiwasser platziert.

Als Futter habe ich meine Lieblingsköder verwendet – Hippos und GLM. Die Hippos habe ich mit zusätzlichen Pellets gefüttert und sonst auf beiden Ruten einen Mix aus verschieden großen Boilies von 16 – 24mm. Der GLM hat einen Popup zusätzlich bekommen, sprich als Snowman. Bei den Hippos habe ich mich für zwei 16mm Bodenköder (engl. sinker) entschieden. Nachdem die Ruten lagen konnten Marc und ich das erste kühle Bier genießen und haben den Grill angeschürt. Am Abend kam Keencarper Marco Volland zusätzlich um die erste Nacht mit uns zu fischen. Der erste Fisch war direkt fünf Kilo Russengold und hat bis zum kommenden morgen auch noch drei Geschwister geschickt. In der Früh lief die GLM-Rute zum ersten Mal voll durch – ein 9 Kilo Spiegler stellte den Auftakt dar. Bei fast allen Fischen konnten wir deutlich sehen, dass die Laichzeit unmittelbar bevorsteht – die Bäuche sind Kugelrund. 

Am kommenden Morgen kam ein weiterer langjähriger Weggefährte aus meinem Heimatverein zu uns, Jürgen. Marco spielt derzeit Batman und ist aufgrund von familiären Verpflichtungen nur in der Nacht am Wasser – Tagsüber gehen Arbeit und vor allen Dingen die Familie vor. Die Laune stieg und bei alten Geschichten und Anekdoten konnten wir herzlich lachen. Im Laufe das Nachmittags kam ein weiterer Freund zu uns ans Wasser der sein Glück auf die bezahnten Räuber versuchte. Es lief noch nicht so richtig, die kommende Nacht brachte noch ein kleines Goldstück mit ca. sieben Kilo. Leider macht meine Kamera nicht so richtig was sie soll, so dass die wirkliche Schönheit vom Schuppenkleid von dem Freund nicht zur Geltung kommt. Ein besseres Foto von dem Fisch habe ich leider nicht, man sieht auch deutlich den Wassertropfen auf dem Objektiv.

Anyway. Am Freitag Nachmittag hatten wir insgesamt sechs Brachsen und zwei Karpfen auf der Habenseite. Bei einer Runde mit der Spinnrute am frühen Morgen konnten Marc und Jürgen einige Blasen ein Paar Meter neben unseren Markern ausmachen, so dass wir diese in der Früh versetzten. Die Rute mit den Hippos habe ich direkt unter einem überhängenden Baum platziert und sofort beim Aufkommen auf dem Grund festen Boden Grund gespürt – Hier geht was!

Batman kam am Abend zurück und kurz nach dem abendlichen Grillen legte meine Funkbox so richtig los. Mein Gegenüber war der Meinung, dass es sich auszahlen würde mitten im Freiwasser nach dem größtmöglichen Ast am Grund zu suchen und reinzuschwimmen. Der Fisch war fest – Marc ruderte mich mit dem Boot direkt oben drüber und ich belastete meine MAD Morpheus auf’s Maximum. Langsam aber sicher löste sich der Ast inklusive Fisch vom Grund und wir konnten sehen, dass wir eine echte Chance hatten den Fisch zu Keschern. Die Morpheus machte einen kompletten Halbkreis, zugegeben ich dachte „Das geht gut oder du knackst das Teil!“ und es ging gut. Ich konnte den Fisch zum Kescher bugsieren und Marc fing an zu fluchen. Tatsächlich konnte sich der Bursche gute 30 cm vom Kescher entfernt lösen und ich blieb mit meinem geschätzt 15-20 Kilo schweren Ast auf der Habenseite etwas fassungslos im Boot. Der Karpfen hatte locker 14 Kilo – hätte, hätte, Fahrradkette. Motiviert bis in die Haarspitzen habe ich ein neues Rig gebunden und keine 20 Minuten später lief die Rute erneut. Auch dieser Fisch ging verloren, aber immerhin lief der Spot. In der Nacht lief die Rute erneut, ein kleiner Spiegler bei ca. sechs Kilo landete im Kescher. Bis zum nächsten Morgen blieb es ruhig ehe ein zwölf Kilo Spiegler den Hippos nicht mehr widerstehen konnte.

Auf ein Mal ging’s Schlag auf Schlag – der einzige Schuppi des Trips fand den Weg in die Maschen. Der Platzwechsel hat sich komplett gelohnt und die Fische standen regelrecht auf dem Futter. Der Weighsling war immer wieder voll mit der grünen Grundmasse der Hippos und den Senfkörnern, kein Zweifel – der Futterplatz funktionierte.

Bis zum Nachmittag blieb es ruhig. Marc und ich vertrieben uns die Zeit mit Terminator 5, den ich zuvor auf’s iPad gezogen hatte. Jürgen war in der Zwischenzeit wieder nach Hause gefahren und während wir Film schauten, kam der nächste Run. Bereits beim Aufnehmen der Rute war ich vorsichtig optimistisch. Der Fisch blieb lange am Grund und machte wenig Kopfschläge – in der Regel ein Indiz für große Fische. Selbst am Ufer zeigte sich der Fisch nicht und zog meine Morpheus dauerhaft Krumm. Jeden Meter Schnur den ich gewann musste meine Quick SLS DLX schon kurz drauf wieder freigeben, am Ende blieb ich Sieger.

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Unfassbar erleichtert, nach der bisher so schwierig verlaufenen Saison konnte ich endlich wieder einen Fisch mit über 15 Kilo in die Kamera halten. 16.3 Kilo und kugelrund – Die Fische stehen eben unmittelbar vor der Laichzeit. Da es kurz darauf zu Regnen begonnen hatte, zog ich mich ins Zelt zurück. Marco und Andreas kamen für die letzte Nacht zu uns an den See und es hatte spürbar abgekühlt. Leider hat es zu wenig geregnet, mein Heuschnupfen machte mich zusehends matt. Nach den anstrengenden Abenden vorher entschied ich mich an diesem Abend früher Schlafen zu gehen. Gegen halb drei weckte mich ein kleinerer Spiegler und ich war mit den Kräften ziemlich am Ende weshalb ich mich entschied, für die letzten Stunden die Rute draußen zu lassen. Ich glaube ich habe keine drei Minuten nach dem Drill bereits wieder geschlafen. Kurz nach fünf im Morgengrauen lieferte meine Funkbox wieder einen Dauerton. Langsam aber Konstant nahm der Fisch Schnur von der Rolle und die GLM-Rute lief nach längerer Ruhezeit wieder ab. Der Fisch kämpfte nicht besonders und lies sich problemlos ans Ufer drillen. Am Ufer änderte sich jedoch sein Verhalten und zog konstant die Uferkante auf vier Metern immer wieder entlang. Nach einer guten viertel Stunde Drill konnte ich das nächste Brett über den Kescher führen – 15.9 Kilo – einfach die beste Art um in einen Angeltag zu starten.

Marco war schon wach und konnte den Fisch gleich fotografieren. Ich war vollauf glücklich und platzierte die Ruten ein letztes Mal neu. Bei einem anschließenden Kaffee saß ich glücklich mit einem seeligen Grinsen im Gesicht auf meinem Stuhl und genoss den Sonnenaufgang. Marc konnte in der Nacht endlich seinen ersten Fisch landen, davon hab ich im Tiefschlaf allerdings nichts mitbekommen. Für die nächsten drei Wochen war’s das jetzt erst Mal mit der Angelei. Geschäftsreisen, Gruppenstunden, Besuch von Freunden usw. werden mir es erlauben höchstens wieder kurze über Nacht-Sessions am Kanal zu starten.

Ich bin immer noch glücklich bei den Gedanken an die vergangenen Tage. Das schreit nach einer Wiederholung im Herbst.

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