Goldene Zeiten

Es ist schon wieder etwas her, seit ich das letzte Mal gepostet habe. „Warum“, kann ich ehrlich gesagt nicht beantworten, vielleicht liegt’s aber einfach daran, dass das Jahr irgendwie doch recht schleppend angelaufen ist. Gerade die ersten 1,5 Monate haben trotz hohem Aufwand und guter Vorbereitung schlussendlich keinen Erfolg gebracht. Ostern war wie jedes Jahr für die Tonne, in diesem Jahr wurde dem Ganzen aber die Krone aufgesetzt. Eine Woche lang hatte ich einen Platz vorbereitet, hochwertiges Futter versenkt und konnte schon nach wenigen Tagen viel Fischaktivität auf dem Futterplatz ausmachen. Es war also angerichtet. Am Gründonnerstag bin ich extra früh aus der Arbeit gegangen, weil ich sicher sein wollte, dass der Platz nicht besetzt wird. Ich komme um 12:30 an und weit und breit kein Angler zu sehen – bis auf dem Platz, den ich vorbereitet hatte. Ich saß erst Mal planlos eine halbe Stunde im Auto und wusste nicht, was ich machen sollte. Klar war nur, ich will angeln. Spontan habe ich mich entschieden einen weiteren Platz am Kanal anzusteuern, um’s kurz zu machen: Das ging auch schief. Ich hab zwar eine sehr gut Zeit mit André am Wasser verbracht und konnte einen schönen Barsch ablichten, zu mehr hat’s dann auch nicht gereicht. Nach zwei Nächten habe ich kurzerhand zusammengepackt.

Einige Tage später, bereits nach Ostern wollte ich „meinen“ Platz noch Mal aufsuchen. Schon um 10:30 war ich angekommen, und dieses Mal war die Stelle endlich frei. In Windeseile begann ich meinen Trolly zu beladen, nur um beim Loslaufen zu sehen, wie genau dort ein Schirm aufgespannt worden ist. Meine Halsschlagader muss zu diesem Zeitpunkt ausgesehen haben, wie die eines Veganers der seit 15 Minuten niemanden mehr erzählt hat, dass er Veganer ist. Kurzerhand hab ich alles wieder ins Auto geladen und mich entschlossen eine weitere Stelle am Kanal auf gut Glück anzusteuern, die ich früher beim Spinnfischen häufig besucht hatte. Dort war weit und breit kein Angler zu sehen, so dass ich freie Platzwahl hatte und mit Banksticks je eine Rute pro Richtung aufgestellt hatte. Ich wollte auf diese Art und Weise meine Chance erhöhen die Zugrouten der Fische abzugreifen. Ohne Vorfüttern sollte das meine beste Option sein. Die Nächte versprachen klirrend kalt zu werden, so dass ich trotz meines dicken Schlafsacks nicht auf die Heatbox verzichten wollte. Es war in den frühen Morgenstunden als sich mein Delkim das erste Mal gemeldet hatte. Die Nacht war sternenklar und wirklich bitterkalt, so dass ich beim Sprung von der Liege sofort meine Jacke mitgenommen habe. Die Rutenringe und die Schnur war leicht vereist, als ich den ersten guten Fisch des Jahres gedrillt habe. 

Umso glücklicher war ich, als ich diesen Spiegler mit 14,8 Kilo in die Kamera halten konnte. Einen Fisch der Größe auf einem neuen Platz, ich war mehr als zufrieden und platzierte erneut die Rute möglichst genau da, wo ich den ersten Fisch fangen konnte. Es dauerte genau eine Stunde, ehe sich ein weiterer Spiegler meinen Waterworld GLM einverleibt hat.

Nicht ganz so groß, aber nahe dran. 13,6 Kilo und Kugelrund. Der erzwungene Platzwechsel war der beste Zufall den ich beim Angeln bisher hatte, denn dieser Platz sollte mir im weiteren Verlauf des Jahres noch große Freude bereiten. Die Worte, die ich für Keencarper Marco verwenden müsste, treffen es einfach nicht mehr. Vielen Dank für die zahlreichen Kilometer mein Freund!

Über das Wochenende am ersten Mai war es Zeit für den heimischen Baggersee. Außer einer Menge kleiner Fische und jede Menge Wind gab es dort nicht viel zu holen, so dass ich mich wieder auf den Kanal konzentriert habe. Dort habe ich den neuen Fischmeister des Fischereiverbandes Mittelfranken getroffen und viele gute Gespräche mit ihm geführt. Es war nie so deutlich, dass sich der Fischereiverband Mittelfranken im Umbruch befindet und nach vielen Jahren nun endlich im Interesse seiner Mitglieder und nicht mehr nach dem Willen verbitterter Einzelpersonen handelt. In den kommenden Jahren wird sich für die Angler im Großraum Nürnberg vieles zum positiven wenden. Die neue Vorstandschaft des Verbandes leistet dort sehr gute Arbeit.

Mitte Mai musste ich meine neuen Ruten einweihen und es zog mich wieder an mein Hausgewässer. Viele kleine Fische sind dort ein gewohntes Bild, hin und wieder kommt aber auch ein Ausnahmefisch wie der folgende Beauty.

Die Freude über so einen Fisch ist jedes Mal auf’s neue unbeschreiblich. Die in der Zwischenzeit gestiegenen Wassertemperaturen und eine sehr heiße Woche kündigten die Laichzeit an. 

Die Bäuche waren kugelrund und das alljährliche Liebesspiel der Karpfen stand unmittelbar bevor. Der verkorkste Saisonstart war nun endgültig vergessen und ich vollkommen im neuen Jahr angekommen. Was vor vier Wochen noch alles schief ging, ging nun glatt und ich es lief einfach nur Schlag auf Schlag. Der viel zitierte Knoten war geplatzt und ich konnte die Zweifel, die mir in der Zwischenzeit gekommen waren bei Seite räumen. Die vielen Brückentage und damit einhergehenden langen Wochenenden habe ich mir meist gespart, weil mir da in der Zwischenzeit einfach zu viel los ist, so dass ich eher spontan ans Wasser gefahren bin, wann immer ich Lust hatte. Ein langweiliger Freitag und ich hatte Lust auf Angeln. Meine neue Lieblingsstelle am Kanal sollte es richten. Wie dicke es kommen sollte, macht mich immer noch Sprachlos. Da wir schon deutlich wärmeres Wasser hatten, sollten ein Paar Tigernüsse den Appetit der Karpfen steigern, außerdem bleibt so viel Futter über einen größeren Bereich verteilt, wenn stark geschleust wird. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit schrie mein Receiver mich von der Liege, und beim Aufnehmen der Rute war klar, da hängt nicht unbedingt eine Grundel. Über vierzig Minuten lang war nicht daran zu denken, den Fisch zu keschern der sich immer wieder Schnur von der Rolle zog und mit seiner ganzen Masse die Tiefe der Fahrrinne voll ausnutze. 

Am Ende der vierzig Minuten starrte ich in den Kescher und konnte mein Glück kaum fassen. Nachdem ich im vergangenen Herbst meinen ersten Kanalvierziger fangen konnte, lag nun wieder so eine Maschine vor mir. 19.3 Kilo schwer, Achim mit einem riesigen Grinsen im Gesicht. Glückseelig saß ich noch 1,5 Stunden vor meinem Zelt und konnte vor Adrenalin an Schlaf nicht denken. Das erste Halbjahr hat sich also schlussendlich doch in eine positive Richtung entwickelt. Die Angelei am Kanal hat sich nunmehr zu meiner Lieblingsmethode, bzw. der Kanal zu meinem Lieblingsgewässer entwickelt.

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